Vereins-Chronik 1948 - 2008

Die Währungsreform hat bessere Verhältnisse und einen wirtschaftlichen
wie gesellschaftlichen Aufschwung gebracht. Neben intensiver
Arbeit wird auch Zeitvertreib und Unterhaltung gesucht. Dafür bietet
sich besonders der Sport an.
Das Tischtennisspiel - nicht auf dem Wohnzimmertisch als "Ping - Pong"
- sondern als ernst zu nehmende Sportart wird immer mehr bekannt.
Warum nicht einen Verein gründen - so wie im Asselner Nachbarort?
Das dachten sich auch eine Handvoll junger Männer. Also, ein Aufruf
zur Gründung eines Tischtennis - Vereins. Zur Gründungsversammlung
kamen viele. Aber damit war noch kein Geld in der Kasse. Da halfen
uns einige, u.a. auch der damalige Pächter des Westfälischen Hofes,
Willy Gülker.
Die zu beschaffende Platte war dann auch Eigenbau, in der Schreinerei
Koert selbst geschnitten und gestrichen. Einige bekannte Wickeder
Geschäftsleute und Persönlichkeiten machten mit. Unser 1. Vorsitzender
war Willy Feige (siehe auch "der erste Vorstand"). Im Wintergarten des
"Westfälischen Hofes" wurde an dieser einzigen Platte trainiert. Erst
wollten wir uns dem Fußballverein Westfalia Wickede anschließen.
Als wir aber dann merkten, dass wir mit unserer verhältnismäßig jungen
Sportart immer hinter den Fußballern zurückstehen würden, beschlossen
wir, uns als reiner Tischtennisverein selbstständig zu machen. Der
damalige Vorsitzende von Westfalia sagte zu uns, dass wir in einigen
Jahren nicht mehr "leben" würden - aber das war hoffentlich die
einzige falsche Diagnose, die er je gegeben hat, denn er war Arzt.
Wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Raum, denn
eine Tischtennisplatte reichte nicht mehr. Diesen Raum fanden wir im
Deutschen Haus bei Oma, Fritz und Lotti Stiepelmann - wo wir uns sofort
wohl fühlten. Wir meldeten uns beim Tischtennisverband an und
beantragten die Genehmigung zur Vereinsgründung bei der Britischen
Militärregierung. 2 weitere Platten wurden gebastelt und dann gingen
wir mit 2 Herrenmannschaften schon im Oktober in die Meisterschaftsspiele.
Für fast 100 Mitglieder mussten 4 Trainingstage wöchentlich
eingerichtet werden. Aber es gab nicht nur Tischtennis. Wir feierten
noch im gleichen Jahr ein Gründungsfest, das schon etwas Besonderes
in der damaligen Zeit war. Unser Ruf eines prima Vereins wurde auch
außerhalb Wickedes bekannt, und so kamen auch junge Männer und
Frauen aus den Nachbarorten zu uns.

 

1950 beschäftigte sich der Vorstand mit der Anlage eines Tennisplatzes
und der Gründung einer Tennisabteilung. Die Mittel hierfür sollten durch
ein großes DORFFEST beschafft werden. Nach vielen Recherchen
scheiterte dieser Plan hauptsächlich wegen der Grundstücksbeschaffung.
1951 spielten wir schon mit 4 Herrenmannschaften (die Erste in der
Bezirksklasse). Unsere Spielerinnen Anni Kasten und Ilse Bradtke holten
sich den ersten überörtlichen Erfolg bei den Stadtmeisterschaften im
Einzel und Doppel der B-Klasse. Einen Wermutstropfen gab es dennoch.
Nahezu die Hälfte aller Mitglieder wurde wegen der Nichtzahlung
(1,00 DM monatlich) ausgeschlossen.

1953 führten wir erstmalig die Jugendkreismeisterschaften und die

Stadtmeisterschaften für Herren und Damen durch. Wegen der großen

Beteiligung wurde im Saal bei Stiepelmann an 7 Platten und im Saal bei

Schlüchter an 5 Platten gespielt.

1954 wurde der Beitrag von 1,00 DM auf 1,10 DM angehoben.
1956 zählten wir nach Bereinigung 32 aktive und 12 passive Mitglieder
und 1959 waren es wieder 56 Erwachsene und 12 Jugendliche. Es
spielten 3 Herren-, 1 Damen- und 1 Jugendmannschaft. Das 10 jährige
Vereinsbestehen wurde in den Räumlichkeiten der Gaststätte
Stiepelmann im September 1958 bis in den frühen Morgen gefeiert
(leider ist kein Bild vorhanden).

Von 1961 bis 1964 dominierten unsere Damen den Verein. Sie spielten

in der Landesliga. In diesen 3 Jahren kamen folgende Spielerinnen zum

Einsatz: Anni Kasten, Gertrud Thiele, Rosemarie Meding, Ilse Dumke,

Gerda (geb. ), Anni (geb. ), Karin Meier, Marianne Stiene, Sonja.

Den nachstehenden Artikel schrieb unser damaliges Vorstandsmitglied für

die Festschrift zum 20-jährigen Bestehen die Ausführungen sind auch heute

noch aktuell.

 

Da feierte der TTC 48 sein Zwanzigjähriges. ,,TTC 48 ? Was ist das ?
Ach, die spielten Tischtennis! Das muss ein kleiner Verein sein; ich habe
noch nie etwas von dem Club gehört; vielleicht 30 bis 40 Leute, die ihrem
ziemlich unattraktiven Hobby nachgehen. Nichts für mich. Ich freue
mich schon auf die Übertragung des Fußballpokalendspiels." So denken
viele, sicher nicht zu unrecht. Jeder nach seiner Facon. Aber außer seiner
sportlichen hat ein Verein, gerade als kleiner Verein, noch eine andere
Funktion, gerade auch in Wickede. Jahrhundertlang war Wickede ein Dorf,
ein langsam, aber organisch oder natürlich gewachsenes Gemeinwesen mit
seinen ,,Bürgern". Was ist Wickede heute?
... Vereins-Chronik 1948 - 2008
Kein Dorf mehr, aber auch keine Stadt, vergleichbar vielleicht mit
einer der gesichtslosen, ungegliederten Vorstädte einer amerikanischen
Millionenstadt. Ehemals rund 4.500 Einwohner, heute rund 20.000,
zusammengewürfelt aus verschiedenen regionalen und sozialen Bereichen
unseres Landes, in Großsiedlungen wohnend, ohne persönlichen Kontakt,
ohne das Gefühl oder Bewusstsein, ,,Bürger" von Wickede zu sein. Da ist
nun dieser kleine Verein. Man geht hin, weil man an dem Sport
interessiert ist. Man findet aber außer dem Sport in einem Bekanntenkreis,
Geselligkeit, man lernt sich schätzen oder auch nicht, man findet
Freundschaft. Und man spielt für ,,Wickede", man bangt, und man hofft
mit ,,Wickede". Ein Beitrag des kleinen Vereins zur Bildung unseres
neuen Gemeinwesens.
H.W. Wiesmann

 

1966 wurde unsere Damenmannschaft Kreismeister und der Jugendspieler
Rudi Mitze kam in die Kreisrangliste. Im gleichen Jahr wurde
auf einer a. o. Mitgliederversammlung eine wichtige Entscheidung
getroffen. Nach 18 Jahren Spielbetrieb im Haus Stiepelmann zogen
wir um in die neue Turnhalle der Bachschule am Dollersweg. Wegen
der Nähe zur Turnhalle war die Gaststätte "Zum Warsteiner" auch das
neue Vereinslokal. Dieser Wechsel in die Turnhalle bedeutete auch
einen Umbruch im Verein, der sich sportlich positiv auswirkte. Die
Jugendarbeit wurde forciert. Viele Söhne von älteren Spielern kamen
in den Verein und brachten Schulkameraden und Freunde mit. Nach
18jähriger Funktion als Geschäftsführer übernimmt Walter Stiene den
Vorsitz im Club.

1968 wurden aus Anlass des 20jährigen Bestehens von
uns die Kreismeisterschaften ausgerichtet. Der TTC erhielt den
"Gelhar-Pokal" für die aktivste und erfolgreichste Beteiligung. Wir
gaben eine gedruckte Festzeitschrift heraus und feierten ein Jubiläumsfest,
auf dem wir 11 Mitglieder für 20jährige Zugehörigkeit ehren konnten.
1971, der Verein zählte inzwischen 93 Mitglieder, richten wir wieder
die Kreismeisterschaften aus. Diesmal in der Mehrzweckhalle des
Westfalenparks. Werner Grote war bei den Herren Klasse B, H-J.
Behrends, Klaus Kott und Wolfram Brandtner bei der Jugend und
Heinz Ganslmeyer bei den Schülern erfolgreich. Der Kassierer Werner
Grote weist für 1970 einen Kassenüberschuss von 1.232,89 DM aus !

1972 Die I. u. II Jugendmannschaft spielte mit Borussia und Eintracht
um die Kreismeisterschaft. 1973: Die 1. Jugend wird unter Jugendleiter
Wilfried Letzner wieder Kreismannschaftsmeister.

Wir spielen mit 5. Herren-, 1 Damen-, 1 Jugend und 2 Schülermannschaften
und feiern in der Pausenhalle unser 25-jähriges Bestehen.
1974/75 kommen die Mitglieder Michael Stiene, Manfred Schumacher
und Joachim Stiene in den Vorstand. Diese 3 Männer bildeten bis zum
frühen Tod des Geschäftsführers Joachim Stiene im Jahre 2003 den
Geschäftsführenden Vorstand.

1977 Dietrich und Detlef Möller und Udo Block werden Kreispokalsieger.

Birgit Stiene (geb. Nüsken) wird 3fache Vereinsmeisterin.

1978 gehen wir mit 11 Mannschaften in das Jubiläumsjahr. Wir geben

eine Festbroschüre mit farbigem Umschlag heraus und feiern auf der

Tanzinsel im Westfalenpark. Mit einem schienenlosen Zug konnten

wir von Wickede aus dahin fahren.
Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre kamen unsere jugendlichen
,,Damen" groß heraus. Elke Mittermüller (geb. Neuhoff) erspielt
sich einen Platz in der Westdeutschen Rangliste.

1983 Im Jahr des 35jährigen Bestehens schaffte der TTC auf organisatorischem
Gebiet etwas Einmaliges: Das "Günter-Mestermann-Gedächtnis-
Turnier" wurde an 38 Tischen in 4 Hallen in Asseln und Wickede
ausgerichtet. Im gleichen Jahr veranstaltete dann der TTC noch
eine weitere Einmaligkeit. Ein Fest für alle Tischtennis-Spieler des

Kreises Dortmund in der Parkhalle. Über 600 Gäste feierten ein tolles
Fest. In den folgenden Jahren erhalten die Herren- sowie Damenmannschaften
aus der eigenen Jugend hervorragende Verstärkung.
Und so konnte es nicht ausbleiben, dass die 1. Herren 1987 zur Landesliga
aufstieg. Leider kam der Abstieg durch die Unsportlichkeit von
2 Bochumer Vereinen zu Stande. Dem Ehrgeiz vieler Spieler ist es
jedoch zu verdanken, dass zum 40jährigen Jubiläum 3 Herrenmannschaften
den Aufstieg schafften. Die Erste stieg in die Landesliga, die
Zweite in die Bezirksklasse und die VI in die 1.Kreisklasse auf.
1988 feierten wir dann schon wieder. Das 40jährige stand an. Es gab
mehrere Veranstaltungen und eine Broschüre, die den 40 Jahre alten
Verein ausführlich vorstellte. Von 1989 bis 1998 wechseln Höhen und
Tiefen einander ab. Leistungsträger werden abgeworben. Spielerinnen
werden Mütter, Jugendliche wenden sich anderen Freizeitvergnügen
zu, und "Stützen" des Vereins werden älter. Aber natürlich gibt es auch
Positives. Junge Spieler mit Talent, ältere Spieler, die Aufgaben
übernehmen und herrliche Stunden bei den jährlichen Ausflügen.
Hervorzuheben ist auch die Mitarbeit unseres Vereins bei der
Organisation der Tischtennis-Weltmeisterschaften.

Nun meint man eigentlich, in der pauschalen Rückbetrachtung der
10 Jahre seit unserem letzten runden Geburtstag, es habe sich im
Verein ja nicht viel geändert - außer der Tatsache, dass man selbst
10 Jahre älter geworden ist. Aber der Verein hat in dieser Zeit vieles
zugetragen. Beginnen wir ganz einfach mit dem Jahrtausendwechsel,
den natürlich viele Vereinsmitglieder gemeinsam erlebt haben, z.B. auf
der Millenniumsparty bei unserem Sportwart Manfred Schumacher.
Das neue Jahrtausend begann dann gleich mit umfangreichen Veränderungen.
Gemeint sind an dieser Stelle nicht die €-Beiträge, die wir
zum 1. 1. 2002 eingeführt haben.

Ab dem 1. August 2001 spielen wir mit den „großen“ Bällen. Die haben

einen Umfang von 40 mm statt der früheren 38 mm. Hierdurch soll das

Spiel langsamer und für den Zuschauer attraktiver sein. Eine weitere

Änderung hatte das gleiche Ziel. Es geht um die neue Zählweise, die

zum gleichen Zeitpunkt eingeführt wurde. Es werden nicht mehr

2 Gewinnsätze bis 21 gespielt, sonder 3 Gewinnsätze bis 11. Es wird

auch nicht mehr bei 5 Aufschlägen gewechselt sondern bei 2.

Die Experten versprachen sich damit, dass es spannender
wird und damit ansprechender für die Zuschauer. Geschmacksache.
Für uns schlimmer war, dass uns gleichzeitig unser Spitzenspieler
Daniel Peipe verließ. Doch wir hatten Glück. Nach der Grenzöffnung
1989 suchten viele Bürger der ehemaligen DDR einen Arbeitsplatz im
Westen. So kam auch Michael Döring nach Dortmund, der fortan die
sportliche Spitzenstellung in unserem Verein einnahm. Leider verstarb
Michael plötzlich in Folge einer Operation vor knapp zwei Jahren. Dies
war zugleich der zweite tragische Fall, der unseren Verein in den letzten
Jahren ereilte.

2003 starb ebenfalls viel zu früh unser langjähriger
Geschäftsführer Joachim Stiene. Dies riss ein großes Loch in die Vereinsführung,
das nur mit einem umfangreichen Umbau des Vorstandes
gefüllt werden konnte. Aus dieser Situation heraus konnte das „kleine
55-jährige Jubiläum“ nicht gefeiert werden. Eine große Feier gab es
dann aber 2005 mit der Ehren-Gala des TTC. Walter Stiene wurde noch
auf Antrag von Joachim Stiene zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Gleichzeitig erhielt er die Verdienstmedaille des WTTV, wie auch viele
weitere Vereinsmitglieder die Goldene oder Silberne Ehrennadel des
Tischtennis-Verbands erhielten. Heute steht der Verein mit 5 Herren-,
2 Jugend-, und 3 Schülermannschaften wieder auf sehr soliden Füßen,
wozu nicht nur neue Jugendliche beitrugen sondern auch die Seniorenspieler
aus Brackel und Sölde, die wir gerne in unserem Verein und in
unserer neuen, schönen Turnhalle begrüßen konnten.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Tischtennisclub Dortmund-Wickede 1948 e.V.